Unser Backes beim Puhl

An der Ecke Kirchstraße - Bergstraße stand unser Backhaus. Es war neben der Kirche ein wesentlicher Treffpunkt im Dorf. Es wurde dort nicht nur Brot gebacken. Ein kleines Dorf wie Ahlbach konnte sich kein Rathaus leisten, deshalb wurde im Obergeschoss ein Zimmer für den Bürgermeister und den Gemeindevorstand eingerichtet. Da erst 1824 in Ahlbach ein Schulgebäude errichtet wurde, mussten die Kinder bis dahin in das Obergeschoss des Backhauses zur Schule gehen. Dieser Raum war sehr eng. Im Winter war die Wärme die vom Backofen kam recht angenehm und im Sommer führte sie so öfter zu Hitzefrei, welches die Kinder sehr erfreute.

Im Backhaus konnte man kein Brot oder sonstige Backwaren kaufen. Es war kein Geschäft, sondern eine Werkstätte zur Herstellung von Brot und Kuchen. Die Leitung hatte der Gemeindebäcker. Er machte die Arbeit nicht alleine. Die einzelnen Familien die grade ihren Backtag hatten, mussten mit Hand anlegen.

       

Eine Nachbildung des Backhauses nach der Beschreibung von Zeitgenossen

In Ahlbach waren um 1800 ganze 53 Häuser registriert. Etwa so viele Familien werden auch dort gelebt haben. Da an Sonntagen nicht gebacken wurde, standen ca. 26 Backtage im Monat zur Verfügung. So hatte morgens und mittags  je eine Familie an einem Arbeitstag ihren Backtag. Eine Familie kam nach der anderen dran. Das Dorf war sozusagen durchnummeriert und deshalb hatte  jede Familie alle vier bis fünf Wochen ihren Backtag.

Damit das Brot nach vier Wochen nicht alt und verschimmelt war, taten sich zwei Familien deren Backtage ca. 2 Wochen auseinander lagen, zusammen. Die erste Familie gab etwa die Hälfte der frischen Brote an die zweite Familie ab. Nach zwei Wochen wenn die zweite Familie Backtag hatte, gab sie die gleiche Anzahl an frischen Broten an die erste Familie wieder zurück, so musste nicht vier Wochen lang altes Brot gegessen werden. Es wurde grundsätzlich Roggenbrot gebacken und gegessen. Weizenbrot wurde nur für die  Schwerkranken Dorfbewohner gebacken.

Der Verbrauch an Brot war erheblich. Bis etwa 1750 waren Kartoffeln in unserem Gebiet nicht bekannt. Um die schwere körperliche Arbeit leisten zu können, musste man einige Kalorien zu sich nehmen. Die Brote waren drei bis vier Pfund schwer. Man konnte bei einer durchschnittlichen Familie davon ausgehen, dass für den Zeitraum von vier Wochen mindestens 40 Brote benötigt wurden. Am Backtag mussten sie so mindestens einen Zentner Mehl zum Backhaus schaffen. Sie hatten noch mehr mitzubringen, nämlich eine ausreichende Zahl von Backwellen (trockene Reisigbündel).

Wie gesagt, die Leitung hatte der Gemeindebäcker. Er hatte vor allem für ausreichenden Vorrat an Sauerteig  zu sorgen und er achtete darauf, dass der Teig richtig aufging und die Brote nicht zu kurz und nicht zu lange backten. Er bekam für jedes gebackene Brot einen Kreuzer gezahlt.

Das notwendige Wasser holte man sich direkt aus der nahen Quelle. Das Backhaus war unmittelbar neben der Quelle errichtet worden. Zu der Quelle führte eine Treppe hinab, die aus Basaltsäulen als Stufen bestand. 1935 wurde das Backhaus abgerissen, da inzwischen selbstständige Bäckereien entstanden. Die Quelle wurde überwölbt und als Zisterne für die Feuerwehr hergerichtet. Dieser Bereich wird heute noch als Puhl bezeichnet. Puhl bedeutet soviel wie Wasserloch.

Diese Quelle dürfte ein wesentlicher Grund für die frühe Besiedlung  Ahlbachs gewesen sein. Auf dem fruchtbaren Boden konnte man Getreide anbauen, welches ein wichtiges Grundnahrungsmittel war.

Man geht davon aus, dass täglich fast 100 Brote gebacken wurden. Es war immer etwas los am Backhaus. Vor hohen Feiertagen wie Weihnachten, Ostern, Pfingsten und an Kirmes ging es ganz turbulent zu. Dann musste Tag und Nacht gebacken werden. Kuchen wie Streuselkuchen, Zimtkuchen und Pflaumenkuchen gab es nur zu hohen Feiertagen. Es wurden dann Quadratmeterweise Kuchen gebacken und an Kirmes kam die ganze Verwandtschaft aus den Nachbardörfern. Einen Fußweg von ein bis zwei Stunden hin und zurück war kein Hindernis. Jeder Besucher bekam noch Kuchen für den Heimweg mit.

An solchen Tagen hatten die Frauen sehr viel Arbeit. Sie achteten darauf das nur ihre Zutaten verwendet wurden. Da auch nachts gebacken wurde, waren schlaflose Nächte an der Tagesordnung. Wenn eine Familie mit dem backen fertig war, wurde sogar nachts die nächste Familie geweckt um auch ihren Kuchen backen zu können. Wenn morgens die großen Bleche mit fertigen Kuchen nach hause getragen wurden, strömte ein Duft durch die Straßen der die Vorfreude auf das Fest steigen ließ.

Damals wurde das tägliche Brot noch sehr geschätzt. Bevor man die Brote anschnitt, wurden sie mit einem Kreuzzeichen versehen.


 

Wir suchen noch ein Bild vom Backhaus,  dass an der Ecke Kirchstrasse - Bergstrasse stand, rufen sie uns an oder sagen sie uns Bescheid, wenn sie wissen wer noch ein Bild hat.  -- Danke --