Sitten und Gebräuche in Ahlbach

Aajerbacke       (Eier backen)
Geht der Festabend zu Ende und Saal, Zelt oder Sektbar wird geschlossen, gibt es oft den Brauch, wenn man noch nicht genug hat, zu einem Bekannten zum “Aajerbacke” zu gehen. Wie der Name schon sagt wird eine Pfanne mit Eiern und Speck gebraten und dort im lustigen Kreis die letzten Biere getrunken.

Beemche stelle       (Bäumchen stellen)
Wenn heutzutage ein Kind geboren wird, stellen Vereinsfreunde oder Nachbarn oftmals ein Bäumchen (ähnlich dem Kirmesbaum) auf, das mit bunten Bändern, Kinderspielsachen und Babykleidung geschmückt ist. Meistens wird noch ein selbst verfasstes, lustiges Gedicht auf ein großes Schild geschrieben und an dem Baum befestigt. Jeder kann dann sehen, wo es Nachwuchs gegeben hat. Wenn kein Baum zur Verfügung steht, werden hier und da auch Leinen gespannt, wo die vorgenannten Sachen befestigt werden. Der glückliche Vater spendiert dann den Gratulanten Bier und Schnaps.

Brautstrauß werfen
Zu den Vergnügungen in den Abendstunden der Hochzeitsfeier gehörte das Abnehmen des Brautkranzes mit dem Schleier und das Aufsetzen der Haube, was die Mädchen natürlich vereiteln wollten, da die Braut ja nun zu den Frauen gehörte. Erhalten hat sich bis heute in manchen Orten, dass die Braut, wenn sie um Mitternacht den Kopfschmuck abnimmt, ihn dem Mädchen zuwirft, das als nächstes heiraten möchte.

De Falwocher Weeg frei Schebbe  (Den Faulbacher Weg im Winter von Schnee befreien)

Bis in den Anfängen der 50.er Jahren, gab es in den kleineren Gemeinden keine Schneepflüge oder Ähnliches. Wenn es dann im Winter, wider mal so richtig geschneit hatte oder der Wind so stark war, dass es Schnee Verwehungen gab, ging der Polizeidiener des Dorfes mit der Glocke (Schell) durchs Dorf und forderte die Dorfbewohner auf.

Wörtlich: „Liebe Leute lasst euch sagen, der Schnee hat wieder zugeschlagen, wir müssen ihn wieder wegtragen“.

So musste aus jedem Hause, einer mit Schippe und Besen bewaffnet, seine Dienst tun und die Straßen von Ahlbach nach Faulbach,  Ahlbach nach Oberweyer von Schnee befreien den das Milchauto oder der Bus musste ja fahren.

Den Kindern und Jugendlichen war das Milchauto im Winter eine willkommene Abwechslung, denn in der Zeit, wo der Fahrer die Milchkannen auflud, befestigte man einige Schnüre (Gurdelle) am hinteren Teil der LKW`s und lies sich dann mit Schlittschuhen ausgerüstet eine Zeit lang von Milchauto mitziehen, dann wurden die Schnüre mit dem Taschenmesser durchtrennt und man ging glücklich und froh wieder nach Hause.

De Klapperstorch       (wo die Kinder herkommen)
Heute weiß es jedes Kind besser und ganz genau. Früher jedoch brachte noch der Klapperstorch, der ja auf vielen Schornsteinen im Dorf sein Nest hatte, das Schwester- oder Brüderchen. Dazu musste man dem Klapperstorch ein, zwei Stückchen Würfelzucker auf die Fensterbank legen, damit er den Weg zu dem Haus findet, wo er das Kind hinbringen soll.

De Melschdesch  (der Milchtisch)

Dreh und Angelpunkt der Ahlbacher Dorfjugend war der Milchtisch, eigentlich wurde dieser von den Bauern als Sammelstelle für die selbst produzierte Milch genutzt. Jeder Landwirt hatte eine oder mehrere Milchkannen aus Edelstahl in den Größen 10, 15 und 20 Liter, die mit einer Nummer versehen waren. Nachdem die Bauern ihre Kühe mit der Hand gemolken und ihre Milch in die gereinigten Milchkannen gefüllt hatten, wurden diese in den frühen Morgenstunden mit einem Karren zu diesem Milchtisch gebracht und von dort anfangs mit einem Pferdefuhrwerk später mit einem kleinen LKW zur Weiterverarbeitung nach Schupbach in die Molkerei gebracht. Aber dieser Milchtisch war auch einen besonderen Anziehungspunkt für die Dorfjugend. Ob nach der Schule oder auch am frühen Abend wurde sich am Milchtisch getroffen und von dort ging es dann in Gruppen auf den „alten Sportplatz“, „off de freie Platz“, „off de Beeg“, „in de Damm“, „int Offemer Wäldchen“ oder man blieb einfach sitzen um zu Erzählen oder Spiele zu machen. Es gab drei Milchtische in Ahlbach, einer an der Ecke Ziegelstraße – Hinterstraße (vor dem Hause Schmitt), einen an der Ecke Klosterstraße – Vorderstraße (vor dem Stall Hofmann) und einen An der Ecke Bergstraße - Kirchstraße. Diese Treffen am Milchtisch um gemeinsame Unternehmungen zu machen, stärkte und förderte den Zusammenhalt der Ahlbacher Jugend.

Der Nachtvogel Käutzchen
Früher wurde ein Tod oft von ungewöhnlichen oder gar unheimlichen Ereignissen angekündigt. Es heißt zum Beispiel, wenn man in der Nacht ein Käuzchen (Eule, Uhu) hört, dass jemand aus dem Umfeld sterben würde.

Der Segen Christi in der hl. Nacht

In der Heiligen Nacht (24.Dez).wurden früher Brot, Wasser und Geldmünzen vor das Fenster gestellt, weil in der Heiligen Nacht Christus geboren und ihm ein Opfer dargebracht wurde, gleichzeitig wurden diese Gaben in dieser Nacht gesegnet. Am nächsten Tag wurden diese Gaben dann in der Familie aufgeteilt. Es bedeutete das man das ganze Jahr über zu essen, trinken und genügend Geld hatte.

Bei den Bauern wurde in dieser Nacht ebenfalls Hafer, Heu und Stroh vor den Stall gelegt, damit der Esel vom hl. Josef auch genügend zu Essen hatte.

 

Die Aussegnung nach der Geburt      
Früher war es in Ahlbach Brauch, dass wenn eine Frau ein Kind geboren hat, sie das Haus beziehungsweise den Hof erst verlassen durfte, bis sie “ausgesegnet” war. Sie durfte das “Fläßje” (die Wasserrinne neben der Straße) nicht überschreiten. Die Nachbarn gingen dann für sie einkaufen, oder besorgten, was ansonsten nötig war. Warum gab es eine Aussegnung? Das Blut bei einer Geburt galt als unrein und unheilvoll. Die Aussegnung fand gewöhnlich 40 Tage nach der Geburt statt und ging dem ersten Kirchengang voraus. Nachdem die junge Mutter den ersten Monat in Abgeschiedenheit mit ihrem Kind verbracht hatte, wurde sie nun unter Gebeten und mit dem Segen der Kirche wieder in die Gemeinschaft der Gläubigen eingeführt und das Kind in die Gemeinschaft aufgenommen.

Die Keuschheit  (Jungfräulichkeit)
Früher war es sehr wichtig, dass die Mädchen ihre Jungfräulichkeit bewahren. Hatte ein Mädchen dennoch vorher seine Keuschheit und Reinheit verloren, so war sie überall ausgeschlossen und hatte kirchliche und bürgerliche Bestrafung zu erwarten. Sie war ausgeschlossen aus der Allgemeinheit und wurde zu keinem öffentlichen Tanz mehr zugelassen.

Guddel spanne (Hemmen des Brautzuges)
Am Hochzeitstag versammelten sich die Gäste im Hochzeitshaus. Zu bestimmter Zeit setzte sich der Hochzeitszug in Richtung Kirche in Bewegung. Nach der Trauung wurde der Hochzeitszug immer wieder mit einem Seil, das über die Straße gespannt war, gehemmt. Das machten die Burschen und Mädchen oder die Kinder. Der Bräutigam musste sich den Weg mit Geld freikaufen. Das Hemmen wird auch heute noch ab und zu gemacht. Des weiteren kann es sein, dass man noch ein paar Hürden nehmen muss, zB. gemeinsames Durchsägen eines Holzstammes, die Braut auf Händen durch eine Wanne mit Wasser tragen usw... Das Wetter am Hochzeitstag spielte auch eine große Rolle. Sonnenschein kündigte heitere Tage in der Ehe an, Wind dagegen deutete meist auf Unfrieden in der Ehe und Regen, das waren die Tränen, die in der Ehe flossen.

Kirmeshohmel       (Kirmeshammel)
Mit dem Kirmesumzug am Sonntag wurde früher auch der “Kirmeshammel” durch das Dorf geführt, der dann bei der Kirmestombola verlost wurde. Mittlerweile ist man aber davon abgekommen, weil wohl keiner mehr so einen echten,  lebendigen Hammel gebrauchen kann.

Kirmesbaam       (Kirmesbaum)
Auch heute noch wird am Vortag der Kirmes ein stattlicher Kirmesbaum, eine große, aus dem Wald geholte Fichte, geschmückt mit bunten Papierbändern, aufgestellt, wenn Kirmesburschen vorhanden sind wird der Kirmesbaum auch beleuchtet. Natürlich ist auch ein “Umtrunk” damit verbunden. Außerdem wird darauf geachtet, dass der Baum nicht durch die Burschen aus den Nachbardörfern “gefällt” wird.

Leichenschmaus
In der Zeit, in der auf dem Friedhof die Beerdigungsfeier stattfand, kochten die Nachbarsfrauen im Trauerhaus Kaffee und deckten den Tisch für den Leichenschmaus. Zum Essen gab es Reiheweck (ein einfaches Hefegebäck). Diese Weck wurden auch als Wegzehrung mitgegeben, denn früher haben viele noch zu Fuß weite Entfernungen auf sich genommen, um an der Beerdigung teilzunehmen und dem Gestorbenen die letzte Ehre zu erweisen und man wollte ja niemand hungrig nach Hause gehen lassen. Später ist der Brauch dann etwas übertrieben worden. Heutzutage, wo jeder ein Auto hat, gibt es entweder Beerdigungsfeiern, wo mehrere Sorten Kuchen angeboten werden, ja teilweise sogar richtiges Essen und Bier (in Bayern wird zB. die “Seele versoffen”), oder man trauert in aller Stille, wenn einem der ganze Trubel zu viel ist.

Päädchje leeje   (Pfad aus Kernen legen)
Nach dem Pflaumen entkernt hatte man meistens einen ganzen Eimer Kerne. Wenn bekannt wurde, dass es ein neues Liebespärchen im Dorf gab, schlich man leise mit dem Eimer Kerne zu dem Haus des Mädchens und streute ein "Pfädchen" bis zu dem Haus des Burschen. Das wurde auch manchmal bei Leuten praktiziert, wo das nicht ans Tageslicht kommen sollte. Wenn sie es merkten, wurde hastig noch alles weggekehrt und die Spuren beseitigt. Meistens jedoch war es nach dem Päädchje mit der Heimlichkeit vorbei.

Pinkeln lassen    
Im Gasthaus wird der frischgebackene Vater aufgefordert, seinen Nachwuchs “pinkeln” zu lassen, was ganz einfach bedeutet, daß er einen ausgeben soll, bzw. die ganze Zeche bezahlen soll. Den Brauch gibt es auch noch heute.

Trauerwache, Trauerzug
Wenn zuhause jemand im Sterben lag, wurde er in den letzten Stunden nicht allein gelassen, es waren Nachbarn, Freunde, Bekannte die den Sterbenden begleiteten. Angst vor dem Tod kannten die Menschen früher weniger, da man Gottvertrauen hatte. War der Tod dann eingetreten, wurden dem Toten die Augen geschlossen und man zog ihm eine festliche Kleidung an (Anzug, Brautkleid...). Es wurde die Uhr angehalten, Gefäße umgedreht, Spiegel und Bilder verhüllt und die Fenster geöffnet, damit die Seele des Toten austreten konnte. Danach wurde von den Verwandten, Nachbarn Trauerwache gehalten, bis der Tote vom Pfarrer ausgesegnet und in einem Trauerzug unter Glockengeläut zur letzten Ruhestätte (Friedhof) begleitet wurde. Der Trauerzug wurde angeführt von dem Pfarrer, gefolgt von dem Sarg mit den Trägern, den Angehörigen und Verwandten und den Dorfbewohnern. Das Grab wurde meist von den Nachbarn ausgehoben. Die Nachbarn trugen auch meist den Sarg, die vier Kerzen die rechts und links den Sarg begleiteten wurden von männlichen Kindern des Bruders/Schwester getragen. Wenn ein Kind starb, trugen Paten den Sarg. Heute ist von alledem so gut wie nichts mehr geblieben. Der Tote wird umgehend per Leichenwagen aus dem Haus, oder oft auch aus dem Krankenhaus, wo er an Maschinen bis zum Ende künstlich am Leben gehalten wird, abgeholt, und wird in der Leichenhalle aufgebahrt. Ausgehoben werden die Gräber von einem Bagger, der das Grab auch wieder zuschüttet. Bleibt die Hoffnung, dass der Sarg dem Aufprall einer Ladung Erde aus der Baggerschaufel standhält...

Verlobung
Die Eltern, meistens der Vater, haben die jungen Leute versprochen (verlobt) nach dem Motto: "Sach bei Sach" und "Äcker bei Äcker". Die Verlobung wurde mit den Verlobungsringen, die der Bursche kaufen musste, besiegelt. Von da an waren sie Brautleute. Die Verlobungszeit, die Zeit zwischen Verlobung und Hochzeit war früher sehr kurz. In dieser Zeit musste der Pfarrer die Verlobten dreimal ausbieten, um zu prüfen, ob niemand Widerspruch gegen das Paar einlegte. War der Hochzeitstag festgelegt, der nur bei zunehmendem oder bei Vollmond sein durfte, wurden die Gäste eingeladen.

Weschdoog   (Waschtage)

Früher war diese Tätigkeit wie der Name schon sagt, ein ganzer Tag schwere Arbeit. Es musste der Kochkessel mit Feuer zu Kochen gebracht werden, die Wäsche wurde eine Stunde gekocht unter Ständigem rühren, danach wurde jedes einzelne Wäschestück auf dem Waschbrett gerieben und mit Kernseife gereinigt und wieder im Kessel aufgekocht. Dieser Vorgang wurde so oft wiederholt, bis die Wäsche sauber war. Dann wurde die Wäsche mit „Bleiche“ nochmals aufgekocht und zum Trocknen auf die Wäscheleine gespannt. Heute wird, wenn der Wäschekorb voll ist, mit der Waschmaschine gewaschen die diese Vorgänge alleine durchführt.

Früher war es auch üblich das an Sonn- und Feiertagen keine Wäsche auf der Wäscheleine hing. Denn dieses würde Unglück bringen.

Wurschtsopp austroo       (Wurstsuppe verteilen)
Früher war es oft der Brauch (und sicher auch noch heute, wo geschlachtet wird), dass man Nachbarn und Bekannten im Dorf einen Eimer der leckeren Wurstsuppe gebracht hat. Die Wurstsuppe ist der Sud der im Wurstkessel durch das Kochen des Fleisches und der Wurst entstanden ist.