" Die Lange Meil "

Weit über die Kreisgrenzen hinaus ist das Stück der Bundesstraße 49 von Limburg bis nach Obertiefenbach unter dem Namen "Lange Meil" bekannt. Für unsere hügelige Gegend ist es auch außergewöhnlich, dass eine Straße auf einer Strecke von mehr als acht Kilometern völlig geradlinig verläuft. Von Limburg bis zur Abzweigung der Bundesstraße 54 (früher stand dort das Zollhaus, bei Ahlbach) befindet sich die erste Gerade. Dann kommt eine Kurve anschließend folgt die zweite Gerade, die von dort genau auf die Spitze des Kirchturms von Obertiefenbach ausgerichtet ist.

Die Entfernung von Limburg bis Obertiefenbach beträgt etwas mehr wie acht Kilometer, die preußische Landmeile ist 7532,50 m. lang. Die Entfernung, die in diesem Bereich kein Dorf berührte, war also länger als eine preußischer Landmeile. Deshalb war die "Lange Meil", die sich vor allem den Fußgängern in früherer Zeit tief einprägte.

Die heutige Straßenführung wurde bereits vor 1800 festgelegt. Vorher bog die Straße am Ahlbacher Zollhaus nach Nod-Westen ab und verlief an Oberweyer vorbei nach Steinbach. Von dort ging die Straße nach Osten den Bergen entlang, über Heckholzhausen nach Weilburg und Wetzlar.

 

Bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts stand ca. 150 Meter abseits der "Meil" der Rest einer uralten Linde, sowie Reste von Bildstöcken und ein hohes Kreuz, die aus der Ferne gut sichtbar waren und zwar, wenn es von der Offheimer Höhe abwärts geht. Im preußischen Messtischblatt von 1868 ist die Linde als weithin sichtbares Merkzeichen eingetragen. In den Jahren zwischen 1920 und 1930 wurde die Linde angezündet. Ob es Handwerksburschen, die dort gerastet hatten, oder ein Grundstückseigentümer, den der Schatten des großen Baumes störte, waren, blieb ungeklärt. Der Baum muss nach seinem Umfang viele 100 Jahre alt gewesen sein. Da dort die Gemarkungen von Dehrn, Offheim und Ahlbach zusammentreffen, kann die Linde als Grenzbaum gepflanzt worden sein. Über Jahrhunderte bot sie sich als schattiger Rastplatz an. Für die Fußgänger auf der Chaussee Limburg Weilburg war es der "Stundenbaum" (etwa die halbe Strecke Limburg Obertiefenbach). Auch an dieser Stelle befand sich die Abzweigung der nicht mehr vorhandenen "Hohen Straße" (auch Ulenstrasse genannt) die in nördlicher Richtung an Ahlbach vorbei über Faulbach in den Westerwald und weiter nach Norddeutschland führte.

Die "Lange Meil" hat nicht nur durch die Zusammenlegung der Bundesstraße 49 und 54 an Bedeutung gewonnen, sondern ist durch die Wiedervereinigung eine wichtige Ost-West-Verbindung geworden. Zumindest die europäischen Gremien haben diese Bedeutung erkannt, sie ist nämlich ein Teil der Europastraße 44. Dieser Straßenzug beginnt in der französischen Hafenstadt Le Havre an der Kanalküste und führt bis nach Warschau in Polen.

Für Preußen hatte sie vor mehr als 100 Jahren auch militärisch strategische Bedeutung. Sie wurde von Kassel bis Metz in Lothringen als Reichsstraße 49 ausgewiesen. An der niedrigen Nummer kann man die angenommene Bedeutung ablesen. Für die seit Jahrhunderten bestehende Ost-West-Verbindung sei ein historisches Beispiel erzählt. Nach der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 hat Napoleon die Straße auf seiner Flucht nach Frankreich benutzt. An einem der Tage nach der Schlacht erschien im Hof des heutigen Anwesens Hinterstraße 16 in Ahlbach ein hoher französischer Offizier und verlangte ein Gefährt. Der Hofeigentümer musste mit einem Ochsengespann bis Montabaur fahren. Das er Napoleon selbst befördert hat, wie die spätere Ausschmückung berichtete, erscheint fraglich. Für den Kaiser wurde sicher das Letzte brauchbare Pferd bereitgestellt. Wer außer dem Kaiser, dem kaiserlichen Gepäck oder dem Gefolge befördert wurde, blieb unbekannt. Jedoch hat Napoleon auch die "Lange Meil" benutzt.

Auf der Verfolgung kam dann Blücher hinter ihm her. Er hat ja nachweisbar in Limburg im "Nassauer Hof" übernachten. Nur ist Blücher mit seiner Armee nicht weiter auf der Straße nach Koblenz und Montabaur  weiter gezogen. Dies spricht für die strategische Weitsicht des Marschalls "Vorwärts". Montabaur und vor allem Koblenz mit der Festung Ehrenbreitstein waren noch französische Stützpunkte. Dieses hätte den Verfolger zu viel Zeit gekostet, selbst wenn man die damals kaum einnehmbare Festung Ehrenbreitstein erobert hätte. Sein Weg führte ihn aber von Limburg nach Kaub am Rhein, wo kein  französischer Widerstand zu erwarten war. 1945 benutzten auch die Amerikaner die Straße für ihren Vorstoß nach Hessen und Thüringen. Was am 26.und 27. März 1945 an Kriegs-Material ununterbrochen nach Osten rollte, hat uns alle in höchstes Erstaunen versetzt.

Inzwischen ist die strategisch militärische Bedeutung, die die Bundesstraße noch im Zweiten Weltkrieg neben der als "Kanonenbahn" bekannten Lahntalbahn hatte, Gott sei Dank verloren gegangen. Jedoch hat die B 49 bzw. E 44 heute, eine wichtigere Rolle übernommenen, sie ist die Ost West Achse für den Auto und LKW Verkehr geworden.

                                                                      

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