Das Ahlbacher Glöckchen !

Als  im 12.Jahrhundert die "Freien von Dehrn" in Ahlbach eine Kapelle errichteten, war die Welt noch in Ordnung. Das ganze Dorf war mit einer Hecke umgeben und dadurch geschützt. In den Stroh bedeckten Häusern und Scheunen spielte sich das karge Dorfleben ab.

Die Ahlbacher Bevölkerung jedoch war schon immer sehr katholisch und deshalb beschloss man 1506, dass die kleine Kapelle endlich wieder eine Glocke erhalten sollte. Gesagt – getan! Man vergab den Auftrag eine Glocke zu gießen. Gleichzeitig  wurde ein viereckiger Glockenreiter auf dem Dach der Kapelle errichtet.

Nun konnte man, ob nah oder fern, "den Ruf" der Glocke zum Gebete hören. Auch wurde ein Glöckner, der zu jeder Stunde seine Tätigkeit ausübte, eingestellt. Man war glücklich und zufrieden.  Jedoch war die Freude nur von kurzer Dauer, da im Hadamarer Land, ausgelöst durch die Reformation, protestantische Gruppen (Bilderstürmer) in die umliegenden Ortschaften zogen und dort die katholische Bildnisse, Glocken und Statuen zerstörten.

Die Inschrift auf der alten Glocke von 1506 in der Pfarrkirche zu Ahlbach lautet. Maria heiße ich, zu Gottes Ehren läute ich - 1506

Einige beherzte Ahlbacher Bürger taten sich zusammen und wollten zumindest die Glocke retten. Sie bauten des nachts ein Gerüst und wollten von ihm die Glocke abseilen. Diesen mutigen Männern passierte im Eifer des Gefechtes aber ein kleines Missgeschick, dass man heute noch wahrnehmen kann. Die Seile lösten sich und die Glocke stürzte die letzten Meter ungebremst zu Boden. Sie bekam dadurch einen kleinen Riss, der ihren ursprünglichen,  natürlich Klang (Ton „g“) veränderte. Unbeirrt dieser Tatsache, vollendeten sie ihr Vorhaben und karrten die Glocke einige hundert Meter entfernt in einen geschützten Garten. Dort wurde sie vergraben. Später bekam dieser Garten den Namen "Glockengarten".

Die protestantischen Horden (Ikonolasten) ließen nicht  lange auf sich warten. Sie stürmten die Ahlbacher Kapelle und zerstörten heiligen Bilder, Statuen und Reliquien. Sogar der Altar wurde nach Hadamar geschafft und dort öffentlich ausgestellt. Selbst vor den Bildstöcken und Feldkreuzen in der Gemarkung machten sie keinen Halt und verwüsteten alles.

Aber es dauerte nicht all zu lange und die protestantischen Horden (Bilderstürmer)  verließen das Hadamarer Land. Es kehrte wieder Ruhe in unserem Dörfchen ein.

Jetzt machte sich die kleine Gruppe wieder auf den Weg, um die Glocke an ihren Bestimmungsort zurück zubringen. Von da an bis heute kann man das Ahlbacher Glöckchen hören, wenn sie wieder zum Gebet ruft.